Zutaten für 4 Personen
Rucola | 100 g |
Endivien frisch | 100 g |
Radicchio | 50 g |
Walnuß | 50 g |
Mandeln | 50 g |
Apfelessig | 1 EL |
Olivenöl | 2 EL |
Honig | 1 TL |
Salz und Pfeffer | etwas |
Zubereitung
- Vorbereitung:
- 15 Min
15 Min
1.Frisch aus der Dusche geschlüpft warf ich einen Blick in den Spiegel, und ganz bestimmt aus Verzweiflung über meinen Körper und über die Zukunft mit diesem Körper, machte ich mich daran, den Hungerkünstler-Salat sogleich zu präparieren. Die bittere Mischung aus Rucola, Endivien und Radicchio lag vor mir wie ein unvollendetes Bild der kargen Existenz des Hungerkünstlers selbst. Die Blätter, von der Dunkelheit der Nacht benetzt, wurden behutsam gewaschen und sorgsam in eine große Schüssel gelegt. Jeder Bissen würde an die Härte des Lebens erinnern, an die Unvermeidlichkeit der Entbehrung.
2.Die gerösteten Walnüsse und Mandeln, zuvor im Ofen auf 180 Grad gebracht, um ihren bitteren Geschmack noch zu intensivieren, wurden über das Grünzeug gestreut. Ihre knisternde Textur sollte die Härte und Kälte der Einsamkeit widerspiegeln, die der Hungerkünstler Tag für Tag ertrug.
3.Für die Vinaigrette nahm ich den Apfelessig, dessen Säure wie ein scharfer Schnitt einer geschwungenen Klinge durch die Essenz des Salats ging. Ich fügte das Olivenöl hinzu, das, obwohl es eine gewisse Sanftheit versprach, doch nie die grundlegende Bitterkeit überdecken konnte. Der Honig, so sparsam verwendet, sollte an die seltenen, flüchtigen Momente der 10 Freude erinnern, die dem Hungerkünstler in seinem asketischen Leben zu Teil wurden. Salz und Pfeffer, wie die subtilen Prüfungen des Lebens, wurden nach Belieben hinzugefügt.
4.Nachdem alle Zutaten miteinander vermischt waren, betrachtete ich den Salat mit einer Art melancholischer Zufriedenheit. Hier lag er nun, der Hungerkünstler-Salat, ein bescheidenes Mahl, das in seiner Schlichtheit dem Leidensweg des Menschen ungekünstelt ähnelte. Jeder Bissen führte mich weiter in die Einsamkeit, ein weiterer Schritt der Selbstverleugnung und der inneren Auseinandersetzung.
5.In der Horizontalen auf dem Bett liegend, die Reste des Hungerkünstler-Salats vor mir, fragte ich mich, ob dieser herbe Geschmack eine Metapher meiner selbst war, oder ob er nur ein belangloses Vergnügen in einem endlosen Strom von feinstofflichen Veränderungen markierte.
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vom
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